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1000 Tage
Drama - 43'26''  - 2006  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Christoph Steinau
Was wäre, wenn du für die nächsten 1000 Tage nur noch das tun würdest, was du auch wirklich willst? Katerina, die junge Mutter von Emma, träumt davon wieder als Schauspielerin zu arbeiten, wie sie es vor Emmas Geburt schon getan hatte. Ihr Mann Holger zeigt nicht viel Verständnis für ihre Wünsche. Katerina entscheidet sich, für 1000 Tage nur noch das zu tun, was sie wirklich will ...
Länge zu lang für Festivals, Redakteure und Filmförderer fanden den Film sehr gut, gehandelt wurde jedoch nicht.
Im Fokus steht die Frage: wie wirklich ist die Freiheit? Und wo beginnt die Grauzone, der unscharfe Rand ins Reich der selbstgewählten Abhängigkeit? Wann lösen sich gesellschaftliche Zwänge und der Abgrund der Gefühle verschlingt den Wanderer in dunkler Winternacht? Dieser Reigen um die eigene Bestimmung ala "Eyes Wight Shot" ist so still und beiläufig erzählt, dass man ob seiner eigenen Schwerfälligkeit schier erschrickt. Von der postmodernen Kritik an der neuen Bürgerlichkeit genarrt, vom zwanghaften Reflex gegen jede Form von Familie getrieben, muss man letztlich zu gegeben: Das Bedürfnis nach Geborgenheit korrespondiert nie mit dem Drang nach lebendigem Exzess. Der stumme Tanz auf dem Vulkan, den wir bei der jungen Mutter miterleben dürfen, die erfrischende Spontanität des Spiel, der unreisserische Dogmastil wirkt intravenös. Das feine Gefühl für Athmo, die Leidenschaft der Macher muss dem Filmpolizisten ein Dorn im Auge sein.

   
7 min
Kurzfilm - 4'50''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Matthias Lawetzky
Eine Zigarette ist in 7 Minuten geraucht. Vor 7 Miuten hat er aufgehört. Was kann ihn ablenken die nächsten Minuten? Stunden? Tage?
Der Film wurde von mir entwickelt im Auftrag für eine Anti-Rauchen Kampagne für Jugendliche. Im Rahmen eines Festivals am letzten Schultag wurden dann diese Filme gezeigt. Dabei war der pädagogische Anspruch in meinem Film definitiv nicht im Sinne der Veranstalter...
Das Rauchen eine Konditionierung animalischer Trieb ist, davon kann der Nichtraucher nichts wissen. Das aber selbst der grösste Asket nicht anders kann, wenn ein läufiges Weibchen an der Hölle vorbeistreucht, dürfte selbst der langweiligsten Pappnase einleuchten. 7min ungelenkter Triebverzicht tickt schnell als Vorbote brechender Dämme und führt zum emotionalen Hirntod. Also schwelgt euch in Ekstase, lebt eure Triebe aus und die Welt ist um Grade friedvoller. Caveman lässt grüßen.

   
A BRIEF THEORY ON MANKIND
Sci-Fi, Komödie - 8'44''  - 2007  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Andreas J. Wimmer
Am Anbeginn der Menschheit fehlt nur noch ein „Missing Link“ und der kommt direkt aus dem Weltall. Ihre Namen sind Huxley und Darwin. Und sie sind gekommen um die Evolution in Schwung zu bringen.
Der Film wurde aufgrund seiner ungewöhnlichen Machart (eine Mischung aus den Moty Python Filmen und Southpark) von Filmfestivals und Fernsehsendern abgelehnt Da sie vom Stil her nicht wussten in welche Sparte der Film passt/gehört.
Die Evolutionstheorie knackig auf den Punkt gebracht: es gibt Intelligenz ausserhalb der Hirne und Vati aller Kriege ist die Spielkonsole. Man stelle sich vor, zwei Ethnologen aus dem All landen mitten in unsere vier Jahreszeiten und zeugen mit den ersten Affen namens Adammy und Evania die Menschen, wie wir sie heute kennen oder zu glauben kennen. Mit trockenen bis zum bersten spröden Humor schleppen sich diese Hausmannsanthropologen durch die Entwicklungsgeschichte zwischen Fressen, Saufen und was man sonst so am Wochenende macht.

   
A Journey to Brazil / Eine Reise nach Brasilien
Dokumentarische Betrachtung - 60'  - 2004  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Ayse Buchara
Eine Gruppe Jungs in einem Waisenhaus in der Nähe von Berlin bereiten mit dem eigenwilligen Theaterregisseur Marold Langer Philippsen eine Choreografie vor und reisen damit zu einem Tanzfestival in Brasilien
Zu scheu - zu eigensinnig - zu still - nicht das Erwartete liefernd
"Rhythm is it?" Oder besser wie es wirklich in Berliner Klassenzimmern aussieht. Ungeschminckt, direkt und ehrlich. Denn das Leben der Jugend ist fad, ist momonton und der Versuch Licht in den Alltag zu bringen, ist vor allem mit einem riesigen pädagogischen Overhead verbunden. Das hier pure Kreativität automatisch zur bürgerlichen Selbstzufriedenheit blüht, ist eine Mär aus dem Kino. Bemerkenswerter Film.

   
a killer film
schwarze Komödie - 15'43''  - 2009  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Niko Kühnel
Julian und Vinnie tun ihr Bestes um im Business ernst genommen zu werden. Was nicht so einfach ist, wenn man ziemlich inkompetent ist. Aber sie bekommen ihre Chance. Werden sie sie nutzen?
Obwohl viel Mühe in den Film gesteckt wurde und jeder der Beteiligten sehr zufrieden mit dem Ergebnis war, wurde der Film von keinem der über 20 Filmfestivals, zu denen er eingereicht wurde, angenommen. Und da man Kurzfilme nur schwer auf anderem Weg auswerten kann, hat somit leider so gut wie niemand diesen Film gesehen. Und das finden wir eine Schande...
Ein Mann, nachts vor einer heruntergelassenen Ladenjalousie zündet sich eine konspirative Zigarette an. Ein ebenso gnadenloser Komplize steigt aus einem kleinen Mini aus. Sie betreten in gewohnt lässiger Haltung ein Haus. Dann passiert ersteinmal garnichts, bis in Terrantinomanier zwischen beiden Gangstern ein Disput über lange Haare und Hippies entbrennt. Sie sind Liquitatoren ohne Ambitionen und Aufstiegsmöglichkeiten. Und letztlich ohne Zukunft. Ein ausbaufähiger Plot, allemal.

   
Aljona und die Baba Jaga
Spielfilm - 15'00''  - 2009  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Katja Gawrilow
Die wunderschöne und herzensgute Aljona wird eines Tages von ihrer neidischen und eifersüchtigen Stiefmutter in den gefährlichen Wald geschickt, um Pilze zu sammeln. Dort begegnet sie der Hexe Baba Jaga, die Aljona fressen will. Doch das schöne Mädchen kann mit Hilfe des verwunschenen Jünglings Iwanuschka entkommen.
Der Film hatte zwar ein, zwei Festivalscreenings, wurde aber häufig mit der Begründung abgelehnt, dass er keine richtige Zielgruppe ansprechen würde - es ist weder ein Kinderfilm (dafür ist er zu gruselig und bizarr), noch ist ein Horrorfilm (dazu sind zu viele Märchen-Elemente enthalten). Die Meinungen der Leute über diesen Film gehen stark auseinander - deshalb denke ich, er ist im Wettbewerb bestens aufgehoben.
Ein sonderbares Format! Gefaktes Märchen? Ironische Parabel? Bildungsroman? Archetypisch allemal. Die böse Stiefmutter, die böse Hexe, der schwache Vater, der tappzige Prinz und am Ende die Gerechtigkeit. Nicht ganz! Im Zuge der Emanzipation haben wir es dann doch mit anderen Mythen zu tun. Gretelchen mal ganz anders. Feist, frech und versetzungsgefährdet.

   
Architekturbüro Scharrenhauser
Kurzspielfilm - 6'05''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Fabian Daub und Claire Walka
Der Architekt Peter Scharrenhauser und seine Assistentin Katharina Zipse gehen mit der Zeit und wollen ein Promotionvideo erstellen, denn gute Werbung ist schon die halbe Miete. Um Kosten zu sparen nehmen sie die Sache selbst in die Hand, doch ihr Vorhaben gestaltet sich schwieriger als gedacht… Dieses „Making Of“ gibt amüsante Einblicke in die heikle Kunst der Selbstdarstellung und die Maximen des Marketing.
Ein Film über menschliches Versagen bei der Selbstvermarktung.
Wir machen uns einen Imagefilm. Mit allem was uns so eigen ist: nämlich unser Images, dass wir ein Images haben. Unser Büro ist ordentlich, es funktioniert reibungslos und wir machen Alles selbst. Hier wurde mit zittrigem Pinsel das auf die Leinwand gebracht, was den Kreativen schon immer auf den Nägeln gebrannt hat: Die Entropie des Scheiterns! Das bis zum Verstummen getriebene Reflektieren über die Perfektion. Einfach aber genial!

   
BERUF LOBBYIST. Vom Umgang mit Macht
Dokumentarfilm  - 45'20''  - 2009  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Oliver Göbel
Dass politische Entscheidungen massiv von Lobbyisten beeinflusst werden, ist nichts Neues. In den letzten Jahren ist der Beruf des Lobbyisten allerdings zunehmend salonfähig geworden. Es handele sich lediglich um eine partnerschaftlich-vernünftige, fachkompetente und vor allem unabdingbare Politikberatung, heißt es. Stilistisch streng und ungewohnt freigiebig lässt dieser Film Lobbyisten selbst erläutern, wie sie konkret vorgehen, wieviel Einfluss sie wirklich haben, wie sie ihre Arbeit legitimieren und wo die Grenzen ihrer Macht liegen bzw. liegen sollten. Eine Provokation – denn ihrer rhetorisch geschickten Argumentation kann man sich kaum entziehen. So erfährt man gewissermaßen aus eigener Anschauung, wie das tatsächlich funktioniert – das Handwerk des Lobbyisten.
Vielleicht liegt der Grund für das Scheitern im Bereich der Verwertung darin, dass der Film formal streng nur mit Interviews arbeitet. Das liegt zum einen daran, dass wir uns stilistisch von einer Reportage unterscheiden wollten; zum anderen ist aber das Reden – und zwar das rhetorisch hervorragende Reden - gerade die Tätigkeit, durch die die Protagonisten sich als Lobbyisten auszeichnen. Das ist aber offenbar schwierig zu vermarkten. Ein Festivalleiter wies den Film beispielsweise mit dem Kommentar ab, da seien ja „nur talking heads“ drin. – Aber genau darum geht es ja bei diesem Thema! Derselbe Herr hätte sich übrigens gewünscht, dass man auch etwas über das Privatleben der Lobbyisten erführe. Und ob wir nicht eine 15-Minuten-Fassung schneiden könnten, dann ließe sich der Film vielleicht irgendwo als Vorfilm unterbringen...
Ohne uns wäre die Politik keimfrei, sagt der Lobbyist und lächelt unwiderstehlich smart. Treffender kann man die Hypris von Minderheiten einer sich in Agonie befindlichen Gesellschaft nicht beschreiben. Da werden elementare Entscheidungsprozesse mit den eigenen Interessen infiziert, bis das der Patient hilflos nach vermeintlicher Rettung schreit. Das Ende der Polis(=Staat) als Allgemeingut ist die Privatisierung desselben. Wenn der Entscheidungsträger die unbestechliche Aura eines Amtes zu Gunsten von Vorteilen nach seiner Amtzeit(G.Schröder) verschachert, dann ist diese legalisierte Korruption mitursächlich für den Frust der Bürger an der Politik. Der Lobbyist sollte das politische Tanzparkett erweitern und nicht den DJ spielen! Das Problem ist nicht die Gier, der Lobbyist hält sich für moralisch überlegen, nein, die Demokratie-Agonie begann mit dem freien Zugang zum Schweinetrog für hemdsärmelige Politikprofis, samt befreundeten Studienkollegen(neudeutsch Seilschaften). Im Gesundheitsministerium hat die Pharmalobby einen eigenen Schreibtisch, die Betroffenen, also die Patienten nicht einmal Zugang zum Gästeklo! Dennoch "Hut ab" vor solch offener Ehrlichkeit. Zum Weiterlesen: http://www.lobbycontrol.de/

   
bitch
Komödie - 17'47''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Guntmar Lasnig
Was passiert, wenn die sexuelle Übereinstimmung bei Null Komma Null Drei liegt? Wenn jemand zu früh Dienstschluß hat? Wenn jemand tödlich eifersüchtig ist? Wenn jemand bei weinenden Frauen schwach wird? Und das alles innerhalb von knapp 25 Minuten Lebenszeit?
Kein Festival will diesen Film zeigen. Deswegen ist er leider gescheitert.
Schoßgebete und andere SM-Spielchen nach Dienstschluß? Was wie einer der üblichen Schnarch-Tatorte beginnt, entpuppt sich plötzlich als fulminant inszenierter Lustreigen einer attraktiven mit einer exquisiten Nymphomanie begabten Kommissarsgattin. Seit Roche haben die Frauen das Zepter der Liebe oder was auch immer in der Hand. Das in den Schlafzimmern der Republik inzwischen andere Forderungen gestellt werden, liegt in der Natur der schönste Nebensache der Welt: mehr,härter,länger...Schöner kann man das Scheitern der neuen Lust der Frau nicht darstellen.

   
Buddhism Revolutions
Action, Komödie, Trash - 128'30''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Torsten Lenz
Griechenland vor der Pleite, der Euro in der Krise, Gewalt auf den Straßen – als wäre das noch nicht genug, sieht sich Europa nun einer neuen Bedrohung ausgesetzt: Hunderttausende seelenlose Buddha-Figuren aus Stein sind zum Leben erwacht und marschieren im Yogasitz auf Europa zu. Marodierend und unaufhaltsam kommen sie näher, so gnadenlos, als seien sie den tiefsten Abgründen kommerzieller Hollywoodfantasien entsprungen. Eilig beruft die EU eine Sonderkommission ein, die über den bevorstehenden Weltuntergang debattiert. Ergebnis: Der trottelige Superheld Kurt soll aus dem Vorruhestand zurückgeholt werden. Gemeinsam mit Heidi van Mond, Doktorin der Superheldenkunde und dem undurchsichtigen Geheimagenten Tripple Nipple nimmt Kurt den Kampf gegen die Buddha- Armee auf.
Obgleich es sich um eine Parodie auf amerikanische Actionfilme handelt, die fast jedes bekannte Hollywoodklischee aufs Korn nimmt, entstand "Buddhism Revolutions" weit ab von Glanz, Glamour und Millionenbudgets: Im Sommer 2003 veranlasste ein eintöniger Klassenausflug die Schulfreunde Torsten Lenz und Max Münkwitz, die Zeit mit dem Erfinden einer verrückten Geschichte zu verbringen: Einer Geschichte über eine Armee steinerner Buddhafiguren. Die Idee, einen Film daraus zu machen, begeisterte sie in den folgenden Monaten mehr und mehr und so begannen sie, ihre Ideen in ein Drehbuch zu verwandeln. Was als bloßer Zeitvertreib begonnen hatte, nahm Stück für Stück ein unerwartetes Ausmaß an. Im Sommer 2005 begannen die Dreharbeiten mit einem Budget von gerade mal ein paar hundert Euro, selbstgebauter und kaum funktionierender Technik und Schulkameraden als Darstellern. Da alle Teammitglieder erst 17 waren und noch zur Schule gingen, drehten über sie ein Jahr lang immer an ihren Wochenenden. Es folgten vier Jahre die Postproduction. Das unter vielen Kompromissen entstandene Rohmaterial wurde aufpoliert, mit hunderten visuellen Effekten und einem eigens komponierten 90-minütigen Soundtrack versehen. Doch wie viel Arbeit und Herzblut auch in den Film gesteckt wurde, er musste letztlich ein Amateurfilm bleiben, dem seine begrenzten Mittel deutlich anzusehen sind und dessen Schwächen von der vielen Arbeit und seinen gelungenen Momenten ablenken - Laiendarsteller, billige Technik, fehlende Mittel an allen Enden. Das Ergebnis ist ein Film, der für Amateurfilmfestivals zu lang, für A-Festivals und Fernsehsender zu trashig und für Arthaus-Kinos zu sehr Mainstream-Parodie ist. Somit ist "Buddhism Revolutions" trotz aller Mühe und vieler enormer Verbesserungen, die während der Postproduction entstanden, letztlich an den schlechten Vorraussetzungen, unter denen er ursprünglich entstanden ist, gescheitert.
Torsten Lenz ist zweifelos auf dem Wege bundesdeutsche Filmpreise abzuräumen. Nicht nur der Plot, sondern auch die Akrebie mit der dieser Streifen produziert wurde, lässt auf ein grössere Qeuvre hoffen. Wie gekonnt die meist recht jungen Schauspieler laienhaft spielen und dabei "augenzwinkernd" sich selbst parodieren, lässt das feinsinnige Gefühl für Ironie erahnen. Dieser überlange Film greift in jedes Genre das ein "Medienkind" nur greifen kann und reflektiert diese subversiv. Die Zukunft des Filmes hat längst begonnen.

   
Das Brandloch
Dokumentarfilm - 88'  - 2008/200  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Sylvie Bantle
Erinnern ist auch ein bisschen wie Träumen! Beides ist keine exakte Wissenschaft und birgt doch tiefere Wahrheiten. Die Epoche unserer Eltern, Großeltern und Urgroßeltern im Spiegel verfemter Schriftsteller/Innen. Ausgangspunkt ist die Büchersammlung des Privatmanns Georg P. Salzmann, in dessen Haus sich über 10000 Bücher stapeln, Werke, die einst verboten und verbrannt, heute fast vergessen sind. Was hat das mit uns zu tun? Über eine sehr persönliche Annäherung blickt die Filmemacherin, Künstlerin und Globetrotterin, gemeinsam mit dem Schriftsteller Bernhard Horwatitsch in die Vergangenheit ihrer deutschen Heimat. Gefunden werden Querdenker, Widerständler und Außenseiter – damals ausgestoßen, heute aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht. Warum ausgerechnet sie? Vor der Kulisse Münchens – einst ‘Hauptstadt der Bewegung‘ – entstand ein poetischer Dokumentarfilm mit ungewöhnlichen Einsichten und Elementen, wie z.B. die Inszenierung von Charlotte Beradts Traumsammlung der Bevölkerung zwischen 1933-1939, oder die heutigen Erfahrungen der Familien-Therapeutin Susanne Bender. Was ist mit den Emotionen geschehen? Wo ist ihr Versteck …
Der Film hat zwar zum großen Teil schon Zugang zum Publikum gefunden – zu manchen auch nicht, aber generell oft kontroverse Diskussionen ausgelöst. Es gab sogar Zuschauer, die gar überwältigt und ganz neu angeregt waren. Es gab solche, die mit Wut auf die Filmemacher reagiert haben. Bei TV-Redaktionen und Festivals ist der Film nirgendwo angenommen worden, trotz teils persönlichen großen Bemühens. Das wunde Thema deutsche Vergangenheit zusammen mit dem Fokus auf das kollektive Trauma – obendrein bearbeitet von einer namenlosen Nichtjüdin – scheint bei der Medienlandschaft eine – noch – zu große Abwehr auszulösen. Seine lyrische Form und unübliche Herangehensweise entspricht wohl nicht den Vorstellungen der TV-Macher und Festival-Elite, wie man mit diesem deutschen großen Thema umzugehen hat.
Brandlöcher sind Überreste eines Ereignisses. Sie hinterlassen etwas, dass nicht mehr existiert. So paradox es klingt: Sie sind Zeugnisses einer Existenz. Einer Existenz von Geistern die glühend ihre Ideale gelebt haben. Diese persönliche Sicht auf Autoren, die ihre Werke in den Flammen braunen Irrsinns haben lodern sehen und nun der Vergessenheit anheimfallen, zeugt von einer moralischen Integrität, die man gerne auch von unseren heutigen Volksvertretern erwarten möchte. Denn das ist das einzige Manko dieses Filmes: er kommt aus Bayern! Nirgends waren stiernackige Xenophobie und selbsgefälliges Volksgedönse enger verbandelt als in dieser voralpinen Hochburg des ewigen Verdrängungswettbewerbes. Ein Nicht-Hin-Sehen-Wollen, gepflegt von einer bis in den Schwachsinn mutierte bierseelige Bespassungsgesellschaft offenbart noch heute die Wunden, die über Generationen - fast als sei die Nazi-Schuld eine Erbschuld - schweigend weitergereicht wurden. Diese psychoanalytische Sicht eröffnet noch mehr: die ahnende Angst vor unseren Vorfahren. Um es allgemeimer auszudrücken: das Gewissen, also das Wissen um unsere Geistesgeschichte.

   
DeGX-Analyse
Satire - 5'25''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Eckhard Kruse
Endlich erfreuliche Nachrichten: Die DeGX-Analyse berichtet vom Zustand Deutschlands – und zwar die wirklich wichtigen Fakten. Wie glücklich sind die Menschen in unserem Lande? Natürlich gibt es Statistiken, Umfragen, streitende Politiker und radikale Forderungen. Auch ein Interview darf nicht fehlen: Der Glücksminister zeigt sich besorgt angesichts eines wachsenden Extremismus, weiß aber, was zu tun ist.
Ein Film mit großen Ambitionen - denn er schlägt vor, wofür sich unsere Gesellschaft anstelle von Politbarometer oder DAX-NAchrichten wirklich interessieren sollte: Wie werden die Menschen sinnerfüllter und glücklicher? Die DeGX-Analyse (DeGX = Deutscher Glücksindex) berichtet von entsprechenden Maßnahmen und Überlegungen der Politiker, im Stil üblicher Nachrichtensendungen. (Und da es eine Zukunftsfiktion ist, ist das Studio noch lächerlicher gestaltet, als wir es heute schon beim ZDF erleben müssen.) Der Film ist in dreierlei Hinsicht gescheitert: 1. Die meisten Festivals lehnten diesen Film ab. (Dort, wo er lief, kam er aber beim Publikum meist gut an). 2. Manche Zuschauer haben den Film als simple Satire aufs Fernsehen verstanden. Dass es mir um Sinn- und Gesellschaftsfragen geht, scheint manchmal gar nicht wahrgenommen zu werden. 3. Und letztlich und vor allem ist das größte Scheitern natürlich nicht das meines Filmes, sondern das unserer Gesellschaft, die weiterhin fragwürdigen Zielen wie der Maximierung des Wirtschaftswachstums hinterhereifert. Vielleicht wird dieser Film auch deshalb so selten verstanden/gemocht? Übrigens: Viele der angesprochenen Ideen, z.B. Schulfach Glück, Glücksindizes, Abkehr von permanentem Wirtschaftswachstum, ja sogar der "LSD-Führerschein" sind nicht neu (und auch nicht von mir) - aber sie finden "im Mainstream" kaum Beachtung.
Was hier als Parodie auf "Leistung aus Leidenschaft" daherkommt, hat einen viel tieferen Sinn. Das Königreich Buthan, bzw. deren politische Führung kennt das Bruttonationalglück(Wohlstand) als feste Größe, nach der sich Ihr Handeln orientiert. Die Vorstellung, unsere gewählten Viehtreiber würden ihre Schafe nicht mehr in den beschleunigten Wahnsinn von mehr und noch mehr treiben, zwingt uns ein sanftes Lächeln auf die Lippen. Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt mit dem Steigen des Exportüberschusses. Da gibt es einen perfiden Zusammenhang: Reichtum erzeugt Mangel. Der Geschmacksverstärker Wachstum treibt uns in eine Lebensbedrohliche Bulimie nach Sinn und Erfüllung, macht uns zum Drehmoment der Volkswirtschaft. Doch die urphilosophische Frage, die sich jeder Politiker stellen sollte, nämlich: was denn das Glück sei, wird in Talkshow-Ritualen auf Maischberger-Niveau derart heruntergebrochen, das Herden von Lemmingen sich allabendlich in den Glücksrausch fehlgeleiteter Phantasie stürzen und aus unbefriedigter Lust ihr letztes Geld beim Lotto verwetten. Nicht die Zunahme des Glücks wird gefeiert, nein, das wahre Lebens pulst an der Fieberkurve des Daxes, ungeachtet dass nur ein Bruchteil vor dem Telealtar am Monopoly teilnehmen. Diese Kritik wollen wir nicht hören. Daher hat dieser Film keine Chance. Er stimuliert weder die Kosumbereitschaft, noch deren Fähigkeit. Er ist schlicht das diebisches Zwinkern eines postmodernen Buddhas, der dem realen Fort- oder besser Wegschritt frönt.

   
Der Heiler zwischen den Welten
Dokumentarfilm - 60'  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Ernst Hunsicker
Der Dokumentarfilm zeigt den Schamanen Dr. Valentin Hampejs bei seiner Arbeit in den Anden Venezuelas. Der Facharzt für Neurologie und Psychiatrie sah sich während seiner klinischen Tätigkeiten an verschiedenen Krankenhäusern in Deutschland und Österreich mit der Ineffizienz schulmedizinischer Behandlungsmethoden konfrontiert. Deshalb begann er, nach einer Alternative zu suchen, die er schließlich im südamerikanischen Schamanismus fand. Der Film ermöglicht einen leicht verständlichen und faszinierenden Einblick in die Gedankenwelt des Schamanismus. Darüber hinaus zeigt er Bilder, welche die Intensität der nächtlichen Rituale und einer Wanderung bei Tage, spüren lassen.
WDR: Kein passender Sendeplatz, ZDF: Der Film passt in kein Sendeplatzprofil, Mangel an Sendeplätzen und Geld, ARTE: zu enge Lieferquoten, deshalb kein Ankauf möglich, SR: "Sie haben recht, Dr. Hampejs ist eine sehr interessante Person...Dennoch sehe ich keine Chance, diese Story ins Programm zu bringen...(ich) verfüge nur über ... streng formatierte ....Formate, in die diese Geschichte unmöglich einzupassen ist. Auch glaube ich nicht, daß der Film so - wie er jetzt vorliegt - bei einem öffentlich-rechtlichen Sender angenommen wird. Der Doktor ist als Person zweifelsohne interessant...allerdings müsste diese Geschichte eingebettet werden in einen Gesamtkontext...erzählt aus kritischer Distanz...Bei allem persönlichen Interesse möchte ich in dieses Projekt nicht tiefer einsteigen. SWR: Keine Mittel für Ankäufe, ORF/3sat: "Ich habe mir den Film nun angesehen, er ist durchaus eindrucksvoll, aber ich halte eine Ausstrahlung auf 3sat ohne entsprechende Einbindung in einem passenden Programmumfeld für nicht sinnvoll, da der Film auch viele Fragen offen lässt. Ohne eine kritische Reflexion des Schamanismus könnte dieses Porträt eines Heilers, der noch dazu aus der klassischen Schulmedizin kommt, bei den Zuschauern zu Missverständnissen führen. Sollten wir ein entsprechendes Umfeld im Programm haben, wo Ihr Film dazu passt, werden wir uns gerne mit Ihnen in Verbindung setzen" :
Wenn der Naturwissenschaftler zum Philosophen, sprich Aussteiger wird, dann wird das Gleichgewicht von Ursache und Wirkung kritiklos ausgehebelt. Der Körper des Menschen ist keine Maschine, und die Medizin hat sich seit Erfindung der Vernunft verdächtig gemacht, nur pervider zu pendeln. Denn je urtümlicher die Prozedur, desto wirksamer. Die Alten hatten ja eh schon immer recht. Ein Plädoyer gegen den Hokuspokus selbsternannter Wunderheiler? Mitnichten: wenn schratige Waldindianer Irrationalität zelebrieren, ist noch keiner Heil aus dem Gestrüpp archaischer Rituale herausgekommen. Denn das Jonglieren mit Wissenschaftsbegriffen wie Struktur, Matrix oder Energie in artfremden Räumen verwässert jeden Zusammenhang. Dieser Film ist zu genau, als das man ihm vorwerfen könnte, er erzeuge irgendeine "Aura", die über die Menschheit ausgeschüttet, die Erlösung von irdischem Leid bringt. Wie gnadenlos das Mysteruim des mescaltio offenbart wird, zeugt von hohem investigativen Niveau. Der Filmpolizei wäre ein Quentchen wilder Abenteuermut zu wünschen, dass sie mal die Finger vom Quotenpendeln liessen.

   
Der Schrei der Vergessenen
Doku - 90'  - 2000  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Hännes Gally
"Ein gigantisches Projekt für so eine junge Künstlerin" sagte Christo. Und er meinte Anna Schuleit aus dem Rheingau, die während ihres Studiums in den USA auf eine riesige, verlassene Irrenanstalt stößt. Das morbide Objekt läßt sie nicht mehr los. Sie beschließt, das 126 000 Quadratmeter große Gebäude-Wrack "singen" zu lassen: Aus über hundert Lautsprechern soll das "Magnificat" von Bach erschallen und die Anstalt für einen Abend zu einem einzigen Klangkörper machen, um ein letztesmal zu erinnern an die ungezählten vergessenen ehemaligen Patienten mit ihren oft schrecklichen Schicksalen. Der Zuschauer geht in diesem Film mit Anna durch die Gänge und Räume der verlassenen Anstalt, steigt in die Keller des Grauens, taucht ein in Wechselbäder der Gefühle. Gleichzeitig entsteht das Porträt einer charismatischen Künstlerin, deren Beharrlichkeit fasziniert, deren Werk nach 6 Jahren endlich Wirklichkeit wird. Eine Parabel für Hoffnung und Willensstärke - und des Respekts vor dem Leiden von Menschen.
Wurde bei Arte eingereicht, dort von der zuständigen Redakteurin nicht verstanden. Trotz größter Bemühungen über das ZDF und 5(!) ARD-Anstalten, die den Film gerne bei Arte gesehen hätten, gelang es nicht, die Produktion dort unterzubringen. Am Ende lief der Film in einer 65 Minuten Version bei 3 Sat. Ironie des Schicksals: Der Film wurde für den Deutschen Kamerapreis nominiert (Schnitt). Dieser Preis wird vom ZDF und dem WDR ausgelobt, beide Sender zeigten den Film nicht in ihrem Programm.
Was für ein schöner Gedanke: von Menschen verlassene Häuser, die dem Abbruch anheimfallen von ihrem irdischen Balast zu befreien. Von ihren Leiden, Freuden und gelebter Zeit zu erlösen. Das sie befreit gleich beseelten Wesen von der hiesigen Wirklichkeit endgrenzt ins Nirvana der Verzeihens gleiten können. Hier zeigt sich ein zutiefst empfundener Humanismus. Wie der "Stalker(Führer)" von Tarkowski führt uns Anna Schuleit in die verbotene Zone. Doch bevor diese Utopie gesprengt wird, befreit sie diese von sich und seiner Geschichte. Der Geschichte einer Psychatrie, die mit besten Absichten letztlich menschenfremd geblieben ist. Diese Reise mit dem Grossmeister der sprituellen Musik: J.S.Bach zu begehen, ist mehr als stimmig. Das "arte" hier wie der Ochs vorm Berge steht, sollte uns nicht irretieren, sondern in unseren Mut zu neuen Formen der Kunst beflügeln. Die meisten Filmpolizisten sind von "Einer flog übers Kuckucksnest" sozialisiert worden und im kritischen Reflex gegen die "staatlich organisierte Zwangspsychatrie" leblos verharrt. Seien wir also milde.

   
Die Abenteuer der Bunny Tailor
Animation Musikvideo - 8'40''  - 2011  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Matthias Lampe
In einer kleinen Schneiderei passiert es: Die kleine Stoffhäsin Bunny Tailor kommt mit dem göttlichen Soma in Berührung und erwacht dadurch zum Leben. Doch was tut man in einer Welt voller unlebendiger Stoffhasen?! Liebe und Freiheit rufen.
Erstens ist die Produktion innerhalb meines ein Euro Projektes produziert (in absoluter Eigenregie), daher sowieso von "gescheiterten" Existenzen umgeben, die angesprochene Liebe sowie die Band Kalulu Solar ist kurz nach der Fertigstellung gescheitert.
Meister Eder von der Waterkant. Das tafere Schneiderlein näht sich einen kleinen Rammler und wie das Märchen so will, braucht es auch eine Rammlerin. Lebensnaher Sexualuntericht für Kind gebliebene Erwachsene, die noch von Freiheit und Geheimnissen träumen. Ja, es gibt schon noch Wunder.

   
Familiendinner
Drama - 04'02''  - 2011  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Thomas Stork
"Die Zeilt heilt alle Wunden" lautet ein altes Sprichwort, eine Lüge. Ein Kurzfilm über Hoffnungen, Illusionen und endloser Schmerz.
Insgesamt Absagen von über 50 deutschen Festivals bekommen, sogar von kleinen Jugendfestivals und gerade erst neuen Festivals. Zudem zeigt der Film, dass zwischen Erfolg und Scheitern nur ein kleiner Grat existiert.
Dieses zwanghaft wiederholte Ritual eines Mittagstisches ist so geschickt "auf Bande" gespielt, dass sich der Plot nur indirekt erschliesst. Die Geschichte nach der Geschichte erzählt, eröffnet völlig neue Möglichkeiten des "wie wäre es wenn?". Hypothetisches Kino ala Alain Resnais "smoking". Der perfekt inszenierte "innere Monolog", der ebenso überzeugend und herzstillstandmässig von Susu Padotzke zelebriert wird, lässt alles aus, was der Horrorverwöhnte gewohnt ist, nämlich das wilde Zucken der Hand zum Popkorn. Eine ungewohnte und zu gewagte Erzählstruktur, die gerade bei der chipsverwöhnten Filmpolizei auf Unverständnis stossen muss.

   
für Meiko
Kurzfilm - 3'20''  - 2008  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Philipp Hartmann / f.k.flumen
Feuerwerk, Rauch und Flugzeuge. Ein Essayfilm. Für meinen Freund Meiko.
Irgendwie scheint niemand diesen Film zu vestehen. Möglicherweise liegt es daran, dass ich hier bewusst vermeintliche Gewissheiten aufbaue, die sofort wieder hinterfragt werden, poetisches mit (vermeintlich) wissenschaftlichem gemischt wird und man eigentlich nie genau weiss, woran man ist. Ein Versuch, darüber die - mir unverständliche - übliche Klassifizierung von Filmen in Spiel-, Dokumentar- oder - noch schlimmer - Experimentalfilm, auszuhebeln. Jeder Film sollte Experiment sein und ob es sich um etwas dokumentarisches oder fiktives handelt - wer weiss das schon... Zwar lief der Film auf einem meiner Lieblingsfestivals, aber bei fast allen anderen fiel er durch. Und schließlich habe ich es aufgegeben, ihn weiter herum zu schicken - obwohl er bis heute zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Und zudem ist er eine Hommage an meinen Freund Meiko, der hier etwas betreibt, was man vielleicht als lustvolles Scheitern in seiner schönsten Form bezeichnen könnte: das begeisterte Abbrennen eines unsichtbaren Feuerwerks am hellichten Tage...
"Mit geschlossenen Augen die Welt durchnacht" wäre ein weiterer gescheiterter Versuch der Selbstfindung! Das verschrobene Spiel des Wissenschaftlers mit der Natur in sinnfällige Metaphern zu rahmen, um dann diese Trophäe der Erkenntnis übers Sofa zu hängen, wo schon die anderen Pokalleichen hängen, ist ein leichtes und bekanntes Unterfangen: "Der Mensch ist dort Mensch, wo er spielt" oder moderner: "wo die Böller in die Himmel fliegen, kann sich der Mensch in Lüste wiegen". Der Himmel als Metapher ungezügelter Visionen: wos knallt und zischt, wos brodelt und verdampft. Why not?

   
Geisterstunde
Mystery - 60'04''  - 2006  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Tanja Brzakovic
Fünf Freunde fahren zu dem Haus, wo sie sich vor zwölf Jahren zum ersten Mal begegnet sind, um Thomas´ Geburtstag zu feiren. Michael ist noch immer in diesem Hause und wird seine Freunde von früher wieder treffen… allerdings ist Michael schon seit sechs Jahren tot.
Gescheitert an der Länge: zu lang für Kurzfilmfestivals zu kurz für Spielfilmfestivals. Gescheitert wegen dem gelungenem Versuch den ganzen Film in einer Einstellung zu inszenieren.
Vorab: das Experiment ist gelungen. Mehr noch: das Ergebnis dürfte JL Godard in Verzücken versetzen. Eine Geschichte nur mit einer einzigen Einstellung(zumindest bis zur dramatischen Krisis) zu erzählen, greift tief in das dramatische Denken griechischer Tragödien: die Kontinuität von Zeit, Ort und Handlung! Eben die Kontinuität des Gesamtkunstwerkes und darüberhinaus in das bürgerliche Trauerspiel: hier tritt die Person, das Individuum aus dem anonymen Chor hervor: Die Kamera wird zum Subjekt, das Auge des Zuschauer ist Mitspieler geworden und emanzipert sich gegenüber der Allmacht des Objektivs, bis das selbst der Kamera-Operator ein Teil des Geschehens wird. Dem akadamischen Geschnarche zum Trotz: es funktioniert besser als manch ein Budged-überladener von Trier-Versuch. Die Archetypen des Horrors werden von intravenös spielenden Darstellern in Echtzeit schier unerträglich durchdekliniert. Auch wenn der Plot ersteinmal nach einem aufgewärmten "Blair Witch Project" anmutet, so ist der Grusel ob der Sezierung menschlicher Urängste vor Kontrollverlust von ganz anderer Qualität: die schattenlose Intimintät der Szenerie. Völlig unbegreiflich, dass wir von der Filmpolizei solch eine Perle einfach verschmähen. Vielleicht haben wir unseren kindlichen Instinkt nach ungefilterter Emphatie von schnellen cuts und Schwencks benebeln lassen.

   
Hackepetra
SplatterKomödienDrama - 2'30''  - 2009  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Alexander Ruhnow, Hagen Döcke
Die Arbeit eines Pathologen kann viele Facetten haben oder eben das Ende einer modernen Beziehung!
... zu blutig für normale Filmfestivals!
Eine geschmacklose Parodie auf den makabren Alltag eines Gerichtsmedizners, der ganz in seinem Elememt, gar nicht mehr merkt, das er nichts mehr merkt. Und ein graubleicher Arbeitstag eines Mörders zwischen Langeweile und Routine. Eine Splatter der anderern Art. Nichts für schwache Nerven.

   
Hose und Kleid
kurzfilm - 50'  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: pramila chenchannna und hans peter böffgen
dieb trifft diebin, sie sind zusammen gekommen ohne es zu wollen sowie andere nicht zusammen kommen obwohl sie es wollen
dre letzte coup von hose und kleid scheiterte, da wir als diese auf der hessischen filmpreisverleihung gedreht und uns unbeliebt gemacht haben.Trotzdem wurde wir 2011 dafür vorgeschlagen!Warum gescheitert ? wir haben ihn leider nicht bekommen.
"Boni im Kleid" oder "Deutschland umsonst", dass ist hier die Frage. Obs edler ist, die Pfleil und Schleudern des wütenden Geschick erdulden oder sich gegen ein Meer von Plagen, durch Widerstand sie enden. Zwei Flaneure aus dem frankfurter Bildermärchen zeigen uns einen Weg: Hartz 4 für Alle. Wenn schon Rettungsschirme, dann auch wenns regnet, am Main. So schlendern sie mit guruhafter Leichtigkeit an den Ufern des Reichtums und: hier wird Andy Warhols Traum endlich wahr: 15 min Berühmtheit für Jedermann.

   
I Love My Mom!
schwarze Komödie - 09'28''  - 2011  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Samuel Buscapé
Dan ist Anfang 20, als seine Mutter stirbt. Da er sie sehr geliebt hat, möchte er ihr eine schöne Beerdigung organisieren. Vom Bestatter erfährt er, dass eine Beerdigung sehr teuer ist. Da weder er noch seine Mom je Geld hatten, geht Dan sehr ausgefallene Wege...
Ich denke, die Geschichte ist einfach zu abgedreht und zu naiv um von den Jurys verstanden und angenommen zu werden. Vielleicht ist Deutschland auch einfach noch nicht weit genug, noch nicht reif für solche Filme.
Die Mutti als Engel aus dem Jenseits. Eine zwichenmenschliche Bindung über alle Grenzen hinaus. Eine herrlich ironische Geschichte.

   
intro
Dokumentarfilm - 52'00''  - 2007  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: andré kirchner
jacken an und los gehts. ein dokumentarisches roadmovie erforscht das phänomen von musik. elf menschen reflektieren und referieren auf ihre eigene weise. eine reise zwischen stadt und land, melodie und rhythmus, sinn und erleuchtung.
52 minuten sind ein ungewöhnliches format: zu lang für ein kurzfilmfestival, zu kurz für ein spielfilmfest. ein höchst subjetiver blick mit dem vorwurf übertriebener selbstdarstellung. dem zuschauer wird geduld und konzentration abverlangt. und dann das thema "musik" zum 1000ten mal. aber gilt das nicht auch für die "liebe"?
Rhythmus ist geteilte, mitgeteilte Zeit. Er ist die Struktur, die das Denken vor dem Chaos schützt. Er ist vor allem Reflexion, sprich Wiederholung. Oder genauer: Tradition. Die Referenz allen Seins. Vor dem Takt war das Nichts, endzeitliche Stille ohne Echo. Intelligente Interviews über Begriffe wie Sicherheit, Liebe und Geborgenheit, eben über Musik.

   
k-projekt
social-spot - 6'  - 2001  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: sibylle kappes. ralf krämer
wie sähe eine welt aus, in der werbung spass macht? erste versuche, die "gute" werbung zu machen. träger sind verschiedene soziale projekte in berlin
weil es noch eine zweite, aber bisher keine dritte generation vom k-projekt gab. gescheitert am chaos, gescheitert am geld, da hochgradeig abhängig vom sponsering, gescheitert an zu hohen ansprüchen.
Diese Filmchen sind weder gescheitert, noch ist zu wünschen, dass die Inhalte scheitern. 1. Bildung als bedigungsloses Grundnahrungsmittel, 2. Kids back to Roots, 3. Die Antwort auf den Schein-Geld-Kapitalismuss: der Tauschring; 4. Mut zu den natürlichen Fehlerchen an unseren Körpern, Medienerziehung endlich mal sinnvoll und praxisorienriert. Ganz ohne pädagogischen Zeigefinger. Nix für erziehungsberufene Filmpolizisten. Kaotisch, wie die Jugend nun mal ist.

   
Kommt alles anders
Kommödie - 66'  - 2002  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Christoph Steinau
Max, ein verpeilter Student in seinen Mittzwanzigern, will eigentlich nur ein paar ruhige Tage mit seiner Freundin Hanna verbringen. Doch Dank seiner Chaos WG mit dem Feierbesessenen Fredo und dem immer leicht betäubten Schröder kommt Einiges anders als geplant. Muss denn immer alles geplant sein?
Der Film konnte zwar den Nachwuchspreis des Kasseler Dokumentar- und Videofestvals 2002 gewinnen, blieb dann aber stecken. Zum Einen ist daran sein ausschweifender Soundtrack Schuld, zum Anderen verhinderte die Länge des Films einfach eine Festivalauswertung.
Kommune 2.0? Typen, wie aus der Retourte? Nicht ganz! Diese Jugend führt ein Eigenleben: Parties, Spass und Parties. Und da war ja noch die Liebe und deren kleine Schwester, die Eifersucht: A us der Ferne träumt man sich die Nähe und in der Nähe träumt man sich in die Ferne. Wunsch und Wirklichkeit zweier Schmetterlinge der Nacht, die erst im Morgengrauen erschöpft, wie zwei Glühwürmchen unter Eos Decke verschwinden. Ein Epos des Sich-Nicht-Finden-Und-Doch-Finden in Form eines ewig langen Musikclips.

   
Liebe Sonne
Animationsfilm - 4'46''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Uli Seis, Franka Sachse
Ein Gühwürmchen verliebt sich in das größte, am hellsten leuchtende Ding das es finden kann: die Sonne. Glühwürmchen sind ja so romantisch! Und wenn es das letzte ist, was sie tun...
Die Liebe des Glühwürmchens muss scheitern - denn es ist in die Sonne verliebt...
Diese Parabel über wahre Leidenschaft der Liebe, die an sich selbst verbrennt, kommt dem Höhlengleichnis des Platons schon sehr nahe.

   
LIFE@WORK
Image-Film - 15'30''  - 2009  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Lars Borker/Tilman Eckloff/Sonja Mönkedieck/Rhoda Tretow
Das Unternehmen Monkeydick-Productions macht sich auf den Weg zur Subversivmesse nach Linz. Die Messe findet im Rahmen von Linz 2009 - Kulturhauptstadt Europas statt.
Das Scheitern ist ein konstitutives Element jeglichen Handelns des Unternehmens Monkeydick-Productions.
Es läuft zu glatt in deinem Leben, du vermutest zurecht einen Haken an deinem Glück? Dann brauchst Du eine Krise, eine in Agonie verzückte Aporie? Ja, es gibt etwas Jenseits des allumfassenden Nichts:authentische Ambivalenz. Der Widerspruch als Vater, oder besser Mutti jedens Denkens, welches auf sich selbst geworfen beginnt und in erhabenen Schritten scheitert. Oder besser: statt in kritisch zynischer Distanz verhaftet zu sein, lustvoll den Sarkasmus an sich selbst durchleiden. Unter Tränen lachen! Ein vademecum für Seiltänzer hoch über den Abgrund tobender Sinnfällgkeit und Seinsvergegenwärtigung. Heiterer und sicherer kann der Übergang zur Subversibilität(Linz) nicht sein. Wenn das Trennende den Erfolges manifestiert, dann verleiht das Scheitern Flügel. Es lebe die IchAG Ich!

   
Opa schließt ab
Kurzdokumentation / Porträt - 11'10''  - 2009-201  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Marcel Lehmann
Gerhard ist 81 Jahre alt. Trotz seines Alters und der Diabetes geht es ihm recht gut. Doch immer mehr scheint er bereits Abschied von seinem Leben zu nehmen. Jeder Tag könnte für ihn und seine Frau der letzte sein und so trifft er dafür Vorbereitungen, während er gleichzeitig Blicke zurück wagt. In ruhigen Bildern erzählt der Film vom Abschiednehmen und vom Alltag eines Menschen, der versucht, das Beste aus der verbleibenden Zeit zu machen. Marcel Lehmann nimmt so den Zuschauer mit auf eine Reise zwischen Melancholie und Lebensfreude.
Er wurde von Filmhochschulen als auch von Festivals abgelehnt.
Ein kleiner Einblick in den Alltag eines Rentners. Wir wollten doch schon immer wissen, was machen die eigentlich den ganzen Tag? Sie haben jene Sorgen, die wir nur aus den Talkshows kennen: was passiert eigentlich im Pflegefall? Hier eine mutige Antwort: Wer sich die Würde über das eigene verlustige Bewusstsein hinaus bewahren will, macht eine Patientenverfügung.

   
Papua gegen uns
Dokumentarfilm - 83'30''  - 2006  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Heizo Schulze
Die Erde schrumpft. Eine ostdeutsche Reisegruppe begibt sich auf Trekkingtour in den Dschungel West-Papuas. Durch Gespräche mit drei sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten der gastfreundlichen Stämme der Dani und Lani erfahren wir von der noch fast ursprünglichen Welt, dem Denken und Handeln dieser Menschen. Sie verraten, was für sie Tradition und Glaube, Geld sowie Sexualität und Partnerschaft bedeuten. Mit den Reflexionen der Reisenden erleben wir den Kontrast der so verschiedenen Weltbilder in dieser atemberaubenden Natur. So sehr sich die neugierigen deutschen Urlauber auch mühen, dem Urvolk behutsam nahe zu kommen, bleiben sie doch eigenartige Fremdlinge aus einer anderen Welt.
Der Kontrast zwischen einer ostdeutschen Reisegruppe und den Ureinwohnern West-Papuas birgt eine gewisse Brisanz, welche vom Fernsehen und von Festivals gescheut wird.
Der Kolonialismus hat ein neues Gesicht: die Fratze des Tourismusses. Mit den Wilden auf Augenhöhe, nachdem sie unser Gepäck durch Schlamm und Dschungel geschleppt haben. Und nebenbei, quasi all inklusive, erfahren wir ein wenig über die Schlafzimmergewohnheiten der Halbnackten. Ein Mann der 4 Frauen hat, ein Haarem! Da knallt die Phantasie durch. Aber die Frauen wurden gekauft und daher hat der Käufer ein tägliches Nutzungsrecht, dass gelegentlich auch mit Prügel eingetrieben wird. Dieser Film zeigt - bar jeder political correctness - wunderbar und unprätenziös wie zwei Kulturen ungebremst aufeinanderprallen. Das die Hobbyethnologen aus Ostdeutschland stammen, macht die Sache nicht brisanter, aber für die Filmpolizei schon wegen Aussagen wie "Man kommt sich vor, wie in eine andere Zeit zurückversetzt" ungeniessbar. Nach erworbener Freiheit ist die zweite Hälfte Deutschland mit Rucksäcken und Lastminutestiefeln über den Erdball hergefallen und macht die gleichen Fehler? Nein, mitnichten! Die Eastler gehen viel behutsamer vor. Dennoch bleibt die Frage: kann man nicht endlich die fremden Kulturen in Ruhe lassen, statt sie mit unserer Dummheit zu verseuchen? Ihnen Buntstifte aus Plastik zu schenken, die alles andere als biologisch abbaubar sind? Die Doku der Reisegruppe hat mit einem Schlag mehr geschafft, als tausend andere Schnarchdokus des ÖR über ferne Länder. Sie hat gezeigt, dass Globalisierung gerade für die vermeintlich "Ärmsten", was immer das bedeuten soll, ein Geschenk sein kann, auch wenn es nur ein wärmendes T-Shirt ist. Sie zeigt auch auf die Wunde: es gibt kein zurück. Die Würfel des Fortschritts sind gefallen. Dafür sollten wir den Filmemachern dankbar sein. Auch für den unverwischten Blick auf Einzelschicksale: als der Papuamann davon träumt, sein Studium zu beenden. Spätestens hier sind wir in der Echtzeit angelangt und spüren, wir eng die Welt zusammengewachsen ist. Dank auch an die offenherzige Gruppe.

   
Pearl
Experimentalfilm, Psychodrama, Kammerspi - 10'30''  - 2009  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Knut Andiel
Eine Frau sitzt zusammengekauert in ihrem Zimmer auf einer Matratze. Gefangen in Ängsten und Erinnerungen, versucht sie verzweifelt sich zu befreien. Doch es gelingt ihr nicht - sie kann sich nicht entfliehen. Jeder Mensch hat einen Zerreisspunkt - die Frau überschreitet ihren jetzt.
PEARL ist der zweite Teil einer Trilogie über psychische Überlebensstrategien, die das Scheitern beihalten. Der Film ist nicht nur an zahlreichen Filmfestivals bzw. an deren Desinteresse gescheitert, sondern auch an sich selbst. In seiner ersten Fassung, gedreht und geschnitten 2006 (mein erster Film überhaupt - also gedreht vor allen anderen Filmen), war PEARL eigentlich nicht wirklich zeigbar (was ich aber erst viel später bemerkt habe). Ich habe ihn 2009 umgearbeitet, überdacht, neu geschnitten und vertont und jetzt liegt er in einer Fassung vor, mit der ich zufrieden bin, die aber trotzdem bei keinem Festival auf Interesse stieß. Ob es am unbequemen Thema oder der Machart liegt? Ich weiss es nicht.
Die Psycho-Exzesse des Carmen-und-Knut-Andiel-Gespanns waren schon immer unerträglich. Das auch dies zu toppen ist, dürfte einen John Carpenter schlicht erblassen lassen. Wer den Horror liebt, sollte sich diesen Film nicht anschauen: er birgt Suchtgefahr. Da wird eine Rasierklinge als Votivgabe zur Selbstverstümmelung zelebriert. Da werden dunkle Diamanten aus der Fürstenkrone des Unbewussten geschlagen und und in einer kleinen Truhe vergraben. Ein subtiler Film, trotz der starken Bilder.

   
Rückherzgang
Kurzspielfilm - 29'35''  - 2001  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Markus Thiele
Nach einer durchzechten Nacht landet Paul mit Valerie, der juengeren Schwester seiner Frau Marie, im Bett eines Hotelzimmers. Marie hat durch Dirk, einen gemeinsamen Freund, Wind von der Sache bekommen und will die Beziehung zu Paul endgueltig beenden. Gibt es einen Weg, marie zurueckzugewinnen? Zoegernde Schritte fuehren Paul auf eine Zeitreise, noch einmal zurueck zum Ausgangspunkt, an dem die Dreiecksbeziehung ihre dramatische Wende Genommen hat, und die Untreue ihren Lauf nahm. Eine monumentale Umkehr wird von Paul verlangt und seine Welt geht "nach hinten los"...
Der Film hat leider keinerlei Foerderung bekommen und wurde von mir nur mit dem Geld und Equipment der Fachhochschule Dortmund sowie mit Spenden produziert.. Alle Beteiligte haben auf Rueckstellung gearbeitet. Der Film ist gescheitert, da ich mich mangels Personal komplett uebernommen habe. Ich habe das Drehbuch geschrieben, gedreht , Regie gefuehrt und die komplette Produktion abgewickelt, da meine Produktionleiterin nach zwei Wochen abgesprungen ist und ich keinen Ersatz gefunden habe. Es gab in dem Jahr noch zwei weitere Nachdrehtermine mit denen versucht worden ist, den Film irgendwie zu retten. Leider vergeblich!
Wer kennt das nicht: man wird verlassen und die Vergangenheit spielt sich rückwärts ab. Man erschiesst seinen Nebenbuhler und irrt durch verlassene U-Bahnhöfe. Wie ein verwundeter Wolf, um im Bild zu bleiben. Aber hier: hier entspinnt sich ein spannend verwobener Krimi! Bei diesem Mut der Macher bekommt jeder Filmpolizist kalte Füsse: obskurer Zeitachsensprung, Defloration des Verstandes. Gedanken schneller als Licht. Was hier passiert, kann niemand begreifen. Es sei denn, er schaut sich diesen Film an.

   
runter rüber nach...
Roadmovie - 25'00''  - 2011  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Andreas Christ, Anna Hirschmann
Dieser Film ist eine persönliche Roadmovie-Geschichte dreier Menschen, die der Vorstellung erlegen sind immer den Moment genießen zu wollen und nur dem eigenen Willen zu folgen. Eine Idee hat sie zusammen auf den Weg gebracht und dann auch wieder verlassen.
Wir hatten ehrliche Ambitionen, große Gefühle und Momente von Freiheit, Spontaneität, Selbstbestimmung und Freundschaft im "Selbstversuch" filmisch einzufangen. Ausgangspunkt sollte eine kurze dramatische Szene in einer Bar in Berlin sein; doch der Geschichte, die dort anfing, konnten wir selber nicht glaubwürdig folgen und entschieden später im Schnitt alle Anteile davon wegzulassen. Damit war ein Plot, welcher seit Jahren und mehreren Anläufen auf seine Verfilmung wartete, endgültig gescheitert. Über die entstandenen Leerstellen der nicht erzählten Story entspinnt sich im jetzigen Film eine Sinnfrage, welche wir wiederum als bezeichnend oder generationscharakteristisch befanden - und daher durchaus als relevant. Leider konnte dem bisher trotz zahlreicher Einreichungen kein Festival ein Interesse abgewinnen. Das setzt dem bisherigen Scheitern noch das Frust-Tüpfelchen auf. Boing. Viel Spaß beim Gucken!
"Das grünes Leuchten" am Ende eines gescheiterten Urlaubswunsches. Big brother on the road. Ein Klettermaxe, Outdoorinterviews. Kein Sinn, kein Ziel, aber schlechtes Licht! Vom ersten bis zum letzten Bild quält uns die Frage: warum lässt die junge Frau sich auf 2 so miese Typen ein? Spöd erzähltes Kino, wie wir es seit die "Ausgebufften" so lieben.

   
Schmutziges Wasser
Experiment - 12'36''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: William S. Burroughs Hurts (Thomas Antonic/Raimund Hagemann/Janne Ratia/Martti Jokela)
Ein des Deutschen nicht mächtiger Finne liest das Gedicht "Schmutziges Wasser" von Wolfgang Bauer und verweist damit auf die Grenzen der Sprache als Ausdrucksmittel, da er nicht versteht, was er liest, und durch seine Aussprache auch ein deutschsprachiges Publikum nichts versteht - wobei es unerheblich ist, ob man das Gedicht sonst verstehen würde. Schließlich wird die Rezitation durch Musik und Regen übertönt, wodurch sich im Grunde nichts ändert.
die produktion "schmutziges wasser" scheiterte vor der jury des berliner zebra-award 2010 aufgrund mehrerer fakten. erstens ging das gesamte filmteam nicht mit der nötigen ernsthaftigkeit an die arbeit. mehrmals ist aus dem off kichern und geblödel zu hören. der orator, herr janne ratia, nimmt seinen auftrag auch nicht sehr ernst und ist offensichtlich der deutschen sprache nicht mächtig, weshalb er von der jury als fehlbesetzung gesehen wurde, was wiederum eine fehleinschätzung der jury war, da es ja gerade um diese sprachproblematik geht. zweitens machte uns das wetter einen strich durch die rechnung. die eigentlich angeforderten bikini-mädchen weigerten sich, bei diesem sauwetter im hintergrund zu tanzen, was dem ganzen natürlich nicht den erwünschten sexualisierten touch gab. zuguterletzt ist die qualität der aufgrund mangelnden budgets verwendeten billigen kamera von sony unter aller sau.
Der Film beginnt ganz dadaistisch, als hätte Ernst Jandl in den Text gespuckt. Was folgt ist allerdings noch absurder: deutsch für Finnen. Beim letzten Zungenbrecher bricht der Sprecher ab und teilt endlich einmal klar und deutlich mit: diese Sprache ist Scheiße... Ja, deutsch ist schwere Sprake. Aber rhythmisch ist sie. Ein Teutonengestampfe, ganz gemacht für Volksbespasser ala H.Schmidt und S.Raab.

   
Sex, Dogz and Rock n Roll
Body, Road, Aktion Comedy / Animation - 83'20''  - 2011  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Marc Fehse
Drei Männer hatten einen Auftrag – Aber das ist auch egal! In der Stadt Secultion herrscht seit Jahren Big Boss mit eiserner Faust. Er ist der Boss der Bosse und jedem schmutzigen Geschäft hat er seine Finger. Sein Sohn Christoph, ein durchgeknallter Musiker mit Hang zu großen Waffen, glaubt seinem Vater endlich beweisen zu müssen, dass er auf eigenen Füßen stehen kann. Mit seinen beiden Freunden Smutje und Twoface, den rockenden Killerbees, versucht Christoff die einfachen, aber genialen Anweisungen seines Vaters zu verbessern. Der Plan sieht vor, für den asiatischen Diktator Chung Ho einen Lenkchip für Langsteckenrakete mit Nuklearsprengkopf zu stehlen und lautlos wieder zu verschwinden. Mit angeheuerten Söldnern endet der Auftrag seines Vaters in einem mörderischen Kampf mit den amerikanischen Streitkräften. Zu allem Überfluss ist mitten unter ihnen ein Verräter, der ohne Skrupel den Mikrochip an den härtesten Konkurrenten von Big Boss verkauft. Profit. Der einstige Protegé, machtbesessen und gierig, greift nach jedem Mittel, um die Nummer Eins in Secultion zu werden. Den Killerbees bleibt nichts weiter übrig, als sich neu zu formieren, Waffen zu besorgen und Profit die Hölle heiß zu machen. Dabei wird ihre schärfste Klinge Chantal heißen. Die professionelle Killerin hat eine ganz eigene Methode, Probleme aus der Welt zu schaffen. Mit ihrem Muschitrick kann eine Verführung schnell zu einem totbringenden Orgasmus werden. Währenddessen bereitet der Diktator Chung Ho sein Volk auf den großen Krieg gegen die verhassten USA vor. Seine Rakete soll die Welt ins Chaos stürzen, damit auf der verbrannten Erde seine neue Weltordnung wachsen kann…
Für Deutschland ein Film der hier nicht her passt. Deutsche Kritiker und Festivals lehnen den Film ab, da er unkonventionell gemacht ist und eigen produziert. Marc selbst ist Quereinstiger ins Geschäft .
Dieser konfus erzählte Pulp Fiction reizt durch zwei sich ergänzender gleichsam widerstreitender Bildebenen. Dem Comic und dem Splatter. Gewagt, spannend, und irgendwie lustig. Und an Absurdität kaum zu überbieten. Die in Selbstgefälligkeit erstarrte Filmpolizei ist da weit humorloser. Was nicht flutscht wie ein Schnarch-Tatort, kommt nicht in die Tüte, auf die Augen.

   
Skulptur
Dramedy - 2'49''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Bernd Lebe
Wir alle kennen das Problem, Scheißerei! Aber was ist wenn man auf dem Klo sitzt und es will und will nicht kommen?Oder ist alles doch ganz anders?
Dieser Film bricht mit allen Tabus. Während man bei “normalen” Filmen einen Protagonisten in den seltensten Fällen sein “Geschäft” erledigen sieht, ist man bei Henry komplette 2:49 Min. dabei. Kommentarlose Rücksendungen bzw. keine Antworten von Festivalleitungen waren hier die Folge. Auch wenn Henry selbst in diesem Film am Ende doch nicht scheitert, so hatte ich absolut keine Chance bei den Festivals. Ein Fall für das “Festival des gescheiterten Films”.
Der Eurovision Song Contest der ARD zu dem gemacht, was er ist: Produktion von erlesener Scheiße.

   
The easy Guide to Becoming a Famous Artist
Animationsfilm - 3'31''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Rita-Maria hausberger, Jonathan Rodriguez Moya, Markus Wendling
Dies ist der ultimative Guide für alle, die gern Künstler werden wollen. Das kann doch nicht so schwierig sein, oder?
Der Film ist ein Ratgeber, um einem eventuellen - aber sehr wahrscheinlichen - Scheitern als Künstler vorzubeugen.
Ein echter Beitrag zum Thema "Kunst kommt von Können" oder "Können kommt von Kunst können", oder "Kunst können kommt von Kunst kommen können". Dieser Film beweist letztlich nur eines: Kunst lohnt sich immer.

   
THE LAST BUS
Drama - 11'06''  - 2008  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Maria Hengge
Eine gestrandete Frau aus dem Meer, ein lebensmüder Mann aus Asien und ein letzter Busfahrer aus Lissabon treffen sich am Abgrund und verbinden ihre Reise in die Nacht.
THE LAST BUS spielt mit uneindeutigen Irritierungen und behält ein offenes Ende, das das Publikum zum assoziieren anregt. Gescheitert in dem guten Sinne , dass der Film keine Lösung anbietet und auch keine Logik wie das Leben meist auch...doch für einen Sender oder Preise ist die offene Erzählstruktur eine Überforderung scheinbar und wird nicht erkannt als Besonderheit.
Paris, Texas, heute! Statt Wüste, entgeht sie dem Wasser. Wie Travis steht sie vor einem Neubeginn. Ein Erwachen in der Vergangenheit, eine Fahrt ohne Ausgang. Nichts als Leben: karg, wild und verträumt. Wong Kar Wai´s Angel fallen mitten ins Herz der ungestürmen See. Dieser Film hat nichts zu erzählen. Vielmehr: er ist ein beredtes Stilleben am Rande des zivilisatorischen Wahnsinns. Ein Schritt weiter und wir beginnen von vorne. Fliegen oder gehen schweigend heim, in die Stadt, in die Zivilisation.

   
Total bekatzt im Doppelpack
Experimental/ Improvisation - 10'33''  - 2008  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Wilda WahnWitz
Doppelsession mit Kater oder hat PottSau sogar zwei. Ein Essay übers Filmemachen mit einfachsten Mitteln unter widrigen Umständen. Und Wilda WahnWitz agiert anschließend zu PottSaus Gesang mit einer Katzenpantomime.
Der trashige Nachtlook und Pottsaus Minimalperformance führte zu einem Juryaufstand, die annahmen, wir hätten besoffen drauf los gefilmt. PottSaus Besoffenheit ist nur gekonnt gespielt und für eine Frau mit Folgen von Schlaganfall eine gekonnte Leistung. Und der Regiestil von Wilda WahnWitz ist gewohnt spontan und minimalistisch. Der Film ist Ergebnis einer 5tägigen Planungs- und Film-Session.
Katzen sind die besseren Hunde. Aber ein Kater ist schlimmer wie ein knurrender Magen.

   
TSCHECHOW
Spielfilm/Experimentalfilm - 19'00''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Marcus Siebler
Troja fällt. Der siegreiche Präsident Agamemnon kehrt nach einer Dekade Abwesenheit in seine Heimat zurück und wird dort von seiner Frau und ihrem Liebhaber grausam ermordet. Wieder schreit eine Tat nach Rache. Orestes Tschechow, Sohn Agamemnos, soll es tun. Wenn er nur bloß aufzufinden wäre...
Der Film hat den Anspruch, sein Publikum heraus- sowie zu überfordern.
Ein Nachwuchs-Castorf geht auf Toilette und rutscht aus, will meinen, er entdeckt das Pathos. Achternbusch Enkel rekeln sich zwischen Pissrinne und Klodeckel, Nebelkerzen werfend, stöhnend um Sinn röchelnd. Auch Liebe, Eifersucht und Intrige spielt hier am sonst stillen Örtchen eine ätzende Rolle. Agamemnon, Abkömmling des Tantalos, frevelt auch hier an der schönsten aller Künste! Mord und Blutschande sind sein Geschäft. Fassbinder sein heimlicher Führer. Die griechische Tragödie war nie ein Quell herer Bürgerlichkeit. Nein, sie war schon immer grausam, auch ohne nackte Gewalt.

   
Ungesagt.
Spielfilm - 9'18''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Katharina Schwarz
Veränderungen bestimmen unser Leben. Es gibt sie im Großen, wie im Kleinen. Ein Film über Willi, der sich eine kleine Veränderung in seinen Leben wünscht und beflügelt von einem Tuch, sich aus seinem Alltag zu träumen beginnt. Fehlender Mut und die eigene Resignation veranlassen ihn jedoch dazu, diesen Traum auf einer Parkbank zurückzulassen.
Zum einen geht es um Willis scheitern, aus seinem alten Leben heraus zu brechen und zum anderen hat es der film leider nie geschafft, außerhalb der Region Mitteldeutschland in ein Festivalprogramm zu kommen.
"Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" mal anders: wie viele Kelche habe ich vorüberziehen lassen, all die Jahre zwischen den Tellern Suppe gemeinsam einsam mit der garstigen Ehefrau. Der tierischte Instinkt, der Geruch ist es, der uns führt, verführt, früher oder später. Ein Ausblick auf "Sex im Alter?" Oder: Appetit holts du dir draußen, gegessen wird zu hause.

   
W+R
Experimental - 04'30''  - 2011  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Anna Hirschmann
Eine Figur, die ewig wartet; eine Frau, die einst Rotkäppchen gewesen sein könnte, streift vorbei; alles bleibt anders.
A) Der Protagonist kann nicht in das Geschehen eingreifen oder bleibt in einer Handlungsschleife verhaften. Ob das ein Scheitern ist, oder der Lauf der Dinge ist vielleicht Ansichtssache... B) Der Film ist bisher an allen Auswahlkommissionen gescheitert :( Warum? Keine Ahnung!
Ein Schamane auf dem Deich. Aus dem Nebel kommt eine Frau nebst Hund und legt dem Hohepriester in Maske eine Nachricht aus der animalischen Vorwelt in die Hände. Die Schokolade zerfliesst zwischen den warmen Fingern. Tanzende Archaiker üben sich im Körperkult der männlichen Kraft auf der Suche nach Sinn und Inhalt. Eine poetische Verdichtung formlosen Verstehens.

   
We are family
doku, familienfilm, experimental - 82'02''  - 2009  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Olga Koch
Ein Reisebericht einer Nichts Verstehenden, ein nonverbaler Film in dem pausenlos geredet wird. Meine Mutter hörte auf Russisch mit mir zu sprechen, als ich ungefähr zwei Jahre alt war. Ich besuche meine Familie in Weißrussland zum ersten mal, meine Mutter zum ersten mal seit vielen Jahren. Ich filme lange Gespräche, die ich nicht verstehe, Autofahrten, Essen, Singen, Tanzen und Geschichten Erzählen. Abschiede folgen auf Momente des Wiedersehens - in der Stadt, auf dem Land und auf dem Friedhof. Aber auch Auseinandersetzungen und Konflikte die entstehen, zwischen den Welten Ost und West, den Generationen und im Inneren, auf den Gesichtern der Protagonisten. Später übersetzte ich alles, und filtere heraus, was zum Schluß der Film wird. - Probleme bleiben, egal wie lang und weit man weggeht und Familie bleibt, auch wenn man in verschiedenen Welten lebt.
Ich denke der Film hat es vor allem durch seine Form schwer, die aber gleichzeitig auch zum großen Teil das Besondere an ihm ausmacht. Er wurde bisher von allen Festivals abgelehnt, obwohl es in der Uni und bei inoffiziellen Vorführungen immer sehr positive Reaktionen gab. Ich denke, dass die meisten Leute sich entweder gar nicht auf den sehr persönlichen, intimen Inhalt einlassen können oder wollen, oder sie im Gegenteil sehr berührt sind und sich in irgendeiner Weise identifizieren können. Der eigenwillige Stil, harte Schnitte und zum Teil (im wahrsten Sinne des Wortes) schwindelerregende Kameraführung, machen den Film je nach Sehgewohnheit für den einen mehr, den anderen weniger zugänglich. Der Betrachter wird ohne Erklärungen ins Geschehen hineingeworfen. Darauf muß man sich einlassen, ohne erstmal zu wissen, wohin die Reise geht. Der Film entfaltet sich in seiner ganzen Aussagekraft nur Stück für Stück, während sich der Betrachter, so wie ich selbst auf dieser Reise, ständig in Ungewissheit und einem gewissen Chaos aus Menschen, Orten, Sprache und Stimmungen bewegt. Auch persönlich fühle ich mich in gewisser Weise am Film gescheitert. Die Ereignisse dieser zweiwöchigen Reise haben mich während der drei Jahre, in denen er entstand, ständig begleitet und sind in dieser Zeit zu einem großen und wichtigen Teil meines Lebens geworden. Jetzt muß ich feststellen, dass der Rest der Familie natürlicherweise weitergegangen ist, und dass der Film oder die Ereignisse ihnen vielleicht lange nicht so viel bedeuten wie mir.
Man muss schon lange Wurzeln haben, wenn man weit von der Heimat leben will. Viele Russen haben ihr Land verlassen oder verlassen es gerade. Ob aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen spielt keine Rolle. Was verbindet ist der Familiensinn und der fragt nicht danach, wie es ist dort draussen? Zu sehr schwer wiegt das Leben der Daheimgebliebenen mit all den Problemen des Alkoholismus, der Armut und der Perspektivlosigkeit. Eine unprätenziöse Doku einer Reise in die Vergangenheit einer Familiengeschichte, aufgespannt zwischen Sehnsucht und Fernweh.

   
Wie immer
Kurzfilm - 6'30''  - 2010  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Zubin Sethna
Eine ältere Dame geht zu ihrem wöchentlichen Friseurtermin. Dabei hat sie ihre gute Laune. Und ihren Müllbeutel. Der Film erzählt eine Geschichte über den Umgang mit dem Älterwerden, Respekt und der schleichenden Angst um den alltäglichen Kontrollverlust.
Die Protagonistin scheitert daran ein zusammenhängendes Leben zu führen, da die Momente des Vergessens einen immer größeren Platz einnehmen. Doch der Film fragt ebenfalls, ob deswegen gleich ein ganzes Leben als gescheitert gelten muss oder wir eine andere Einstellung dazu entwickeln können.
Still und fein erzählt, wir es ist, wenn der Mensch älter wird. Vieles wird plötzlich näher und existenzieller, alltäglicher. Die Wege des Verstandes werden kürzer und besonders schmerzlich ist es, wenn beim Vorbeigehen der eigene Kontrollverlust bemerkt wird. Was am Ende bleibt, ist die Scharm.

   
Winnetou I Folge 2
Kinderfilm - 5'47''  - 2003  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Arne Schröder
Ein Kind hört in seinem Kinderzimmer das Hörspiel "Winnetou I, Teil 2". In dem Hörspiel wird ein Mann zu Tode gemartert. Das Kind hört das und geht in Garten. Da spielen die Nachbarskinder. Das Kind spielt das Gehörte nach...
Winnetou war ein Experiment. Wir haben mit einer "echten Subjektiven" gearbeitet". Dann ist der Film einem Festival vorgestellt worden. Die wollten ihn haben, aber nur auf 35mm. Das war damals viel zu teuer! Der Film verschwand in der Schublade. 2010 habe ich ihn dann wiederentdeckt und umgeschnitten. Und da ist er nun ...
"Der Mensch ist nur Mensch, wenn er spielt." Wenn die Pickelnase in seiner postpubertären Identitätskrise mit der Schallplatte als elektronische Fussfessel gegen den Rest Welt zu Felde zieht, dann wird das Kind zum Retter, zum Mörder, zum Psychopathen. Liebe Filmpolizei, Gewalt in den Medien erzeugt Gewalt. Dann wenn einsame junge Männer nicht einmal in ihrem eigenen Leben mehr Held sein können und Jungensein überhaupt diskreditiert wird, dann sollten wie uns nicht wundern, wenn die natürliche männliche Gewalt ungerichtet Schaden anrichtet.

   
Zeittöter
Satire - 09'18''  - 2008  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Niko Kühnel
Was macht man, wenn man nichts zu tun hat? Irgendwie Zeit totschlagen eben. Dass Nichtstun nicht langweilig sein muss, erfahren wir mit Odile, Jim und Theo.
Zeittöter war der Versuch, einen Kurzfilm mit etwas mehr künstlerischem Anspruch und etwas mehr Tiefe zu machen. Was eigentlich auch irgendwie gelungen ist, und obwohl der Film von jedem, der ihn gesehen hat, viel Lob bekam, hat ihn kein Filmfestival angenommen und der Film bekam nie die Chance, in größerem Rahmen als heimischen Wohnzimmern geschätzt zu werden.
Der Sonntagnachmittag, der graue Himmel, die lustlose Wand: ein echter Zeittöter.

   
Zimmer 67
Romantic Arthouse Comedy - 19'45''  - 2011  Details - Die Spielorte - Mein Voting
R: Matthias Maaß
Die junge gehörlose Anna und der etwas draufgängerische, tapsige Max begegnen sich in einer Hotellobby. Sie, von einem Blind Date versetzt, er, unterwegs zu einem Nichtraucherkongress versehentlich im falschen Hotel gelandet. Die beiden sind sich sofort sympathisch - aber wie flirtet man(n), wenn die Angebetete nichts hört? Ohne Berührungsängste lassen sich die beiden aufeinander ein und finden einfallsreiche Wege der Kommunikation miteinander. Sie landen schließlich in einem der Hotelzimmer, plündern die Minibar, lachen, küssen, lieben sich.... Bis es an der Tür klopft und Max abgeführt wird!
Auf den Filmmärkten von Cannes und Palm Springs wurde der Film von Käufern und Fernsehsendern als zu anspruchsvoll und komplex bezeichnet. Daraufhin wurde der Film um 5 Minuten gekürzt und erneut angeboten. Dramatische und kunstvolle Elemente sind dem Schnitt zum Opfer gefallen. Beim Festival des gescheiterten Films läuft natürlich der Directors Cut in der Originalfassung!
Diesseits der Stille ist der Ort der Sehenden, die zu begreifen versuchen, dass die Welt bis ins kleinste Atom Schwingung ist Und meinen der Gehörlose muss blind sein. Dass aber jenseits ungelenkem Geplappere eine Tür für die Sinnlichkeit ausgestossen werden kann, ist umso überraschender, wenn sich diese Liaisons Dangereuses auf ein Missverständis beruht. Ein kurzer, allzu kurzer letzter Tango.